Archiv für den Monat März 2018

Kunst, Charme und Genuss – alles für die Seele und den Geist.

 

Amorbach ist eine Reise wert! Nicht nur wegen der entzückend erhalten und gepflegten Mischung aus verwinkelten Gassen, Kopfsteinpflaster, Fachwerk und Barockarchitektur. Nicht nur wegen der vortrefflichen Tortentheke in der mittelalterlichen  Schlossmühle und anderen kulinarischen Köstlichkeiten und Kuriositäten vor Ort.

 

 

 

In Amorbach gibt es die Freie Internationale Akademie, einen „zentralen Ort an dem interdisziplinär gelehrt, geforscht und künstlerisch gearbeitet wird… Angesiedelt an einem dezentralen ländlichen Ort, der historisch bemerkenswert ist, werden vorhandene Qualitäten und Interessen aufgenommen und Themen gefunden, die in Einzel- oder Gruppenprojekten studiert und kreativ umgesetzt werden, fachübergreifend und international zusammenführend.“ So beschreibt Anna Tretter Sinn und Funktion der FIA. Diese hat seit ihrer Gründung vor fünf Jahren ein spannendes, internationales Programm, für das sich die Anreise aus der Rhein-Main-Metropole Frankfurt lohnt.

 

Intro 2

In der FIA fand vom 25. Februar bis 4. März 2018 die Ausstellung MAKING PAINTING – aktuelle Strategien der Malerei in Deutschland und England statt. Mit Arbeiten von Michael Bause, Emma Cousin, Line Krom, Cornelia Kube-DruenerMindy Lee, Stacie McCormick, Chris Shaw und Annika van Vugt. Die Idee zur Ausstellung MAKING PAINTING entstand vor knapp 3 Jahren im Gespräch mit befreundeten Malerinnen. Warum im Rahmen einer Ausstellung nicht einmal darüber reflektieren wie die eigenen Arbeiten im Atelier entstehen? Zu versuchen, die im Arbeitsprozess entstehenden Gedanken und Ausschlussverfahren einem Galeriepublikum mitzuteilen.  –  Diese im Intimbereich einer Künstlerin, eines Künstlers angesiedelten Fragen und Probleme bleiben dem Galerie- oder Museumsbesucher verborgen. In der Regel steht die gelungene, fertige Arbeit im Zentrum einer Ausstellung. Oftmals wird auch unter Kunstschaffenden der Entscheidungsprozess selten kommuniziert, denn entweder erscheint er so natürlich und selbstverständlich oder zu privat, um darüber mit entfernten Kolleginnen und Kollegen zu sprechen. Die Mischung und Verbindung von privatem und öffentlichen, von Nähe und Fremde spiegelt sich auch in der Situierung der Ausstellung wider. Amorbach ist der Ausgangspunkt für die Ausstellung, zwei weitere Stationen, in London und Berlin, folgen.

 

 

 

Der Kunstjournalist Dr. Heinz Linduschka kommentiert MAKING PAINTING im Kulturteil des Main-Echo: „Ein spannendes Projekt: Unterschiedlichste malerische Strategien und Stilrichtungen im Werk von sechs Malerinnen und zwei Malern aus Deutschland und England sichtbar und nachvollziehbar werden lassen und die Antwort auf die Frage finden: „Gibt es gemeinsame Ansätze?“ „Unterstützt die Malweise den Malprozess?“ oder „Wie verortest du deine Arbeit zwischen Abstraktion und Figuration?“ Je vier Künstlerinnen und Künstler aus England und Deutschland haben sich auf diesen kreativen Dialog eingelassen, alle schon national oder international auf Ausstellungen präsent (…) Die drei hellen Räume des FIA Forums in der Amorbach, in denen vorher vier Jahrzehnte lang die renommierte Galerie Maria Kreuzer zuhause war, bildet den idealen Ausgangspunkt für die  Ausstellungstour. Schließlich hat sich die FIA programmatisch auf die Fahnen geschrieben, „den interessierten Betrachtern die zeitgenössische Kunst näher zu bringen und gesellschaftsnahe Fragen“ zu thematisieren. Und auch das Ziel der Kuratorin lässt sich hier idealtypisch verfolgen, „an einem dezentralen ländlichen Ort, der historisch bemerkenswert ist, vorhandene Qualitäten und Interessen aufzunehmen, in Einzel- oder Gruppenprojekten zu studieren und kreativ umzusetzen – fachübergreifend und international zusammenführend.“, so Linduschka weiter.

Auch Peter Schmitt, der 1. Bürgermeister der Stadt Amorbach, ist kunstaffin und unterstützt künstlerisches Engagement in der Stadt – ästhetische und gedankliche Grenzüberschreitung. Er begrüßt die Ausstellung: „MAKING PAINTING bespiegelt die malerische Praxis im Sinne der Prozessorientierung. Internationale Werkbeispiele und dazu Interviews mit den Kunstschaffenden werden hier in Amorbach zeitweise verankert. Interessierten und Freunden der FIA bieten die Ausstellung und das ergänzende Programm ein Kennenlernen und den Austausch mit der jungen zeitgenössischen Kunstszene. Das spannend gestaltete Angebot lädt zur Teilnahme ein und steht somit für eine etwas andere Art der Vermittlung wirkende Veranstaltung im Rahmen der FIA und stellt sich als ein schönes Flechtwerk von außen dem Netzwerk vor Ort.“

 

 

 

In der Tat stiess nicht nur die Eröffnung, sondern auch die anderen beiden  Veranstaltungen am 2. März, (die performative Lesung ANTONIN ARTAUD von C. Kube-Druener und Wolfgang Klee) und am 4. März (ein Gespräch mit L. Krom, C. Kube-Druener, A. van Vugt) auf großes Interesse. Auch sie waren gut besucht. Es wurde rege und auf hohem Niveau über Kunst diskutiert.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der Interviews mit den Kunstschaffenden enthält. In diesem hat die Leserin, der Leser, Gelegenheit die Kunstschaffenden auf dem Weg ihrer Reflektionen im Schaffensprozess zu begleiten. Jede Künstlerin, jeder Künstler beantwortete Fragen im Rahmen eines Interviews. Die Antworten sind spannend und facettenreich, sie geben einen Eindruck davon wie das implizierte Wissen einer Malerin, eines Malers, nach außen getragen und kommuniziert werden kann. Einige der entwickelten Gedanken gehen weit über den Umgang mit dem Material und dem Kunst-Machen hinaus und antworten indirekt auf alltägliche Probleme, in denen wir mit Kreativität und Spontanität auf ein mögliches Abweichen vom Plan antworten. Der Katalog kann hier bestellt werden für 8 € (inkl. Porto und Verpackung).

Advertisements