Archiv für den Monat März 2015

Strippings von Line Krom in der Galerie Unterer Hardthof Gießen

 Strippings

von Line Krom

 

Galerie Unterer Hardthof

Unterer Hardthof 7

35398 Gießen

E-Mail: info@untererhardthof.de

http://untererhardthof.de

Line Krom Dimensions Variable Klein

 Line Krom, Dimensions Variable Perfomance, 2014

Ekkehard Tanner, Kunsthistoriker M. A. (Schirn Kunsthalle, Frankfurt) spricht die einleitenden Worte zur  Vernissage am Sonntag 12. April 2015 16.00 Uhr

Dauer der Performance Dimensions Variable 16.30 bis 17.00 Uhr

 

Öffnungszeiten der Ausstellung Samstag 18. April und Sonntag 19. April 2015

jeweils von 14.00 – 17.00 Uhr

Ökonomisierung und Rationalisierung im Neoliberalismus schaffen eine besondere Form der Ästhetik, die die Frankfurter Künstlerin Line Krom als „Ästhetik der Flexibilisierung“ bezeichnet. Flexibilisierung ist eine im Wirtschaftsbereich verbreitete Metapher, für Begriffe wie „Leiharbeit“, „Out-Sourcing“, „Kurzarbeitsverträge“ uvm. Mit minimalistischer Formensprache und flexiblen Materialien, wie Papier, Garn und feinen Gaze-Stoffen, kommt Line Krom der „Flexibilisierung“ unserer Zeit auf die Spur. Sie lässt die flüchtigen Strukturen beruflicher Alltagssituationen sinnlich erfahrbar werden.

Der Titel der Ausstellung Strippings, bezieht sich auf die gleichnamige Werkserie der Künstlerin. Stripping, aus dem Englischen entlehnt, bedeutet Ablösen bzw. Bloßlegen. Die Serie„Untitled (stripping)“ ist eine visuelle Recherche zur Systematisierung von Flexibilisierung. Aus textilen Geweben werden einzelne Fäden entfernt, so dass verschiedenartige mathematische Reihungen entstehen. Sind die ursprünglich festgelegten Ordnungsstrukturen erst einmal aufgebrochen bilden sich Kategorien neuer Ordnung. Wird das Experiment exzessiv an die Grenze getrieben, löst sich die Bildfläche auf und gibt den Blick auf die Galeriewand frei. Die Künstlerin verweist so explizit auf die institutionellen Rahmenbedingungen von Kunst.

Ein wichtiges Element in Line Kroms künstlerischem Werk sind Arbeitsbedingungen im Bereich der Kreativ- und Kulturwirtschaft. Mit ihren Performances thematisiert die Künstlerin was als selbstverständlich gilt: Es sind die Galeriemitarbeiter mit ihrer Arbeitszeit, die das System Kunst erst produzieren – sind sie als „arbeitende“ Struktur nicht vorhanden, gibt es keine Ausstellung. Dimensions Variable (2014) ist ein

3 x 3 x 3 m großer aus Galerie-Perlon gefertigter Kubus. Ganz aus Garn gestaltet, das üblicherweise zum Aufhängen von Bildern dient, zitiert er die Formensprache der Minimal Art – allerdings in einer zeitgenössischen, flexibilisierten Version. Die filigrane und zugleich raumgreifende Installation wird von mehreren Galerieassistenten in Position gehalten. Ist die vereinbarte Arbeitszeit der Mitarbeiter abgelaufen, fällt die Plastik in sich zusammen.

Krom lebt und arbeitet in Frankfurt am Main. Ihre Werke wurden u.a. mit dem Prix des Arts Rotary Club Karlsruhe (2007) und dem Jerwood Drawing Prize, London (2008) ausgezeichnet. Außerdem war sie Gastkünstlerin am CCA Kitakyushu, Japan (2010) und dem Center for Drawing, London (2008). Zusehen waren Ihre Arbeiten jüngst in der Galerie Kaiser P, Frankfurt Dimensions Variable (2014), Galeria OFF, Łódź, Ona i ja – Wahlverwandtschaften (2014), Galeria Taller Gravura, Malaga, Dibujo (2014), Klosterpresse, Frankfurt, Il faut imaginer S. heureux (2014), Kunstansichten Offenbach, Ghost Tours (2013), BronxArtSpace, New York, Fundamental Ephemeris (2013).