Archiv für den Monat November 2014

„Exzentrische Führung mit Schmuggelware, Fremdkörpern und Engelshaar“ Interventionen von Besucherinnen und Besuchern im Weltkulturen Museum Frankfurt

Sonntag, 30. November, 15 – 17 Uhr „Exzentrische Führung mit Schmuggelware, Fremdkörpern und Engelshaar“ Interventionen von Besucherinnen und Besuchern im Weltkulturen Museum Frankfurt. Eintritt frei.

Abbildungen: Petra Ober, „o.T.“ , 1999 und „Meine Rock-Sammlung“, 1951-1994 Die „exzentrische Führung“ am Sonntag, 30. November von 15 – 17 Uhr im Weltkulturen Museum handelt von „Schmuggelware, Fremdkörper und Engelshaar“. Besucher und Besucherinnen entdecken beim Rundgang extra hierfür in das Weltkulturen Museum hinein geschmuggelte Ansichten, Meinungen und Objekte. 

Von August bis Oktober 2014 konnten Interessierte in einem von der Künstlerin Aline von der Assen geleiteten Workshop einen kreativen Kommentar zur aktuellen Ausstellung „WARE & WISSEN (or the stories you wouldn’t tell a stranger)“ entwickeln. Vieles an der Ausstellung bewegte, faszinierte, inspirierte und reizte zur Auseinandersetzung. Die Teilnehmerinnen des Workshops erhielten ein Wochenende lang einen Einblick in die Sammeltätigkeit und Arbeitsweisen des Museums und entwickelten verschiedene Objekte, Performances und Videoarbeiten. Elf verschiedene, daraus entstandene Positionen werden in Form einer Sonderführung am kommenden Sonntag präsentiert.

Interventionen von Adana Albrecht, Julia Albrecht, Spomenka Aleckovic, Alexandra Feith, Katharina Krächan, Susanne Krakow, Daniel Mädler, Petra Ober, Fatimat Olafusi, Allmut Plate, Luise Scheller und Martina Zimpel.

Die Ausstellung „WARE & WISSEN (or the stories you wouldn’t tell a stranger)“ ist nur noch bis zum 4. Januar 2015 zu sehen. In der Ausstellung werden kritische Fragen zum Forschungs- und Bildungsauftrag eines ethnographischen Museums sowie zu seinen komplexen Beziehungen zur globalen Handelstätigkeit untersucht. Sammlungsgegenstände und Archivmaterial werden mit neuen Werken, die aus der künstlerischen Forschung von Peggy Buth, Minerva Cuevas, Luke Willis Thompson und David Weber-Krebs im Weltkulturen Labor entstanden sind, vereint.

Weltkulturen Museum Schaumainkai 29-37 60594 Frankfurt am Main

Line Krom Dimensions Variable in der Galerie Kaiser P

Die ‚Galerie Kaiser P’ ist ein offener Ausstellungs- und Projektraum im Frankfurter Bahnhofsviertel. Im Rahmen der jüngsten Themenreihe werden Positionen vorgestellt, die sich mit dem Phänomenbereich ‚Aktivismus’ auseinandersetzen. Vom 26. 9 – 16. 10. 2014 zeigte die Galerie Kaiser P ‚Dimensions Variable’ der Frankfurter Künstlerin Line Krom. Für die Vernissage am 25. September 2014 präsentierte Krom einen leeren Galerieraum. Lediglich ein mit neonfarbenem Tape am Boden markiertes 3 x 3 m grosses Quadrat füllte den Raum. Es liess erahnen, dass in den folgenden Wochen dort mithilfe von freiwilligen Helfern eine Skulptur entstehen würde. Ekkehard Tanner, Frankfurter Kunsthistoriker, sprach die einleitenden Worte zur Eröffnung. „Wie spricht man über eine junge, frische Kunst, die noch unverbraucht und, so wie sie sein wird, noch ungesehen ist? (…) Wie über etwas reden, dass keiner von uns kennt, und was so, wie es sein soll, nur im Geiste der Künstlerin und weniger Eingeweihter existiert?… Wenn wir uns alle in drei Wochen wieder hier treffen, um die Finissage von Line Kroms Ausstellung „Dimensions Variable“ zu begehen, wird alles leichter sein. Denn dann haben wir verstanden. Und dann können wir sehen. Und alles wird da sein, was den Erwartungshaltungen an eine ordentliche Ausstellung im Kunstbetrieb gerecht wird: Eine Galerie, in der Kunst gezeigt wird…. Aber Heute Abend stelle ich nur dich aus. Deine Rede, Ekkehard, ist meine Kunst, so die Künstlerin im Vorgespräch … Heute Abend stellt sie also uns aus. Wir alle, sie verehrte Besucherinnen und Besucher, die Künstlerin, die Galeristen und ich, sind, wie alles was heute Abend hier passiert und geschieht, Teil von Line Kroms Werk.“

In feinteiliger Detailarbeit haben in den folgenden drei Wochen freiwillige Helfer die Künstlerin bei der Realisierung ihrer partizipativen Installation unterstützt. 3960 m Galerie-Perlon, das üblicherweise für Galeriehängesysteme verwendet wird, wurden verbraucht und 1800 Knoten geknüpft, um einen 3 x 3 x 3 m Kubus aus den weißen Schnüren zu fertigen. Zur Finissage am Donnerstag, den 16. Oktober, war der Kubus für die Dauer von 1 ½ Stunden zu sehen. Von 19 bis 20.30 Uhr hielten die ehrenamtlichen Galerieassistenten, die raumfüllende Plastik in ihrer Position, bevor sie die Halteseile wieder losliessen und die Skulptur in sich zusammenfiel. Ekkehard Tanner leitete auch die Finissage ein: „… Ein graphisch anmutender Kubus mit den Seitenlängen von drei Metern. Eine Mischung aus Skulptur und Environment, die erst Bestand hat, wenn Kunstaktivisten, freiwillige Performer, ihre tragende Rolle einnehmen. Danach fällt das Werk auf den Boden. Es wird aber nicht fallen gelassen wie so vieles in unserer Wegwerfgesellschaft, in der die Neuanschaffung von Waren oft günstiger ist als deren Reparatur. Am Boden ähnelt es einer reliefartigen Zeichnung, wie wir sie von Leni Hoffmann kennen. Wie etwa in Hoffmanns Raumzeichung „sansibar“, bei dessen Betrachtung sich der eine oder andere Besucher im Städelmuseum gefragt haben mag, wieso denn der Elektriker sein vergessenes Elektrokabel so kunstvoll arrangiert hat… Weißes Galerie-Perlon: Wie Isa Genzken, Imi Knobel oder Lenk Hoffmann verwendet Krom ein Alltags- und Industriematerial zur Erschaffung ihrer Skulptur. So schafft Krom eine Materialästhetik, die wir von der Arte Povera kennen. Jener Arte Povera, die der Kritiker Germano Celant 1967 als neuen Blick auf die Wirklichkeit beschrieb, weil in dieser „armen Kunst“, die Künstler gewöhnliche und alltägliche Materialien verwendet haben, um antielitäre Kunst zu machen. Ist Kroms Kunst anitelitär? Ja, das vielleicht auch… Ihre Arbeit ist sozialkritisch und gesellschaftskritisch. Sie beleuchtet das System Kunst und wirft den Scheinwerfer auf jene, die im Hintergrund dafür Sorge tragen, daß das System nicht zusammenfällt.  Wie der Titel Dimensions Variable andeutet ist ihr Werk an unterschiedlichen Orten zu realisieren und damit einmalig und gleichsam  wiederholbar. Bereits in einer früheren Arbeit näherte sie sich dem Thema, in dem sie ihre Helfer, alles gut aussehende junge Männer, zu Bildträgern werden ließ. Kroms Kunst thematisiert den Kunstbetrieb und den Kunstkontext, aber auch Fragen nach der Dauer und dem Fluss der Zeit, in diesem Momenthaften gleicht es der Musik und dem Tanz, die nur existieren im Augenblick ihrer Aufführung, im Hier und Jetzt. Eine Sekunde für vorher, eine für nachher und eine für Mittendrin.“

Der Verlauf des Projekts wurde von Michael Druener dokumentiert.

Unterstützt wurde das Line Kroms Dimensions Variabel u. A. von  Kaiser P, dem V.I.P. Hairsalon,  Klappe Die Erste, myuni.tv und Ekkehard Tanner.